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Saturday, July 5 • 11:45 - 12:45
Das langsame Sterben der Zeitungen – Die Schuldfrage: Das „böse“ Internet – oder doch eigene Managementfehler?

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„Brauchen wir Zeitungen?“ fragt Michael Haller in einem Buch mit diesem Titel. Die Frage ist natürlich rhetorisch gemeint. Regionalzeitungen gehören immer noch zur Grundausstattung, um Bürger zu informieren und die Willensbildung in unserer Demokratie zu leisten, und sie erreichen mehr Menschen als Fernsehsender. Doch die Auflagen sinken. Vor eineinhalb Jahren wurden 120 ehemalige Tageszeitungsleser in Berlin, Hamburg und Leipzig befragt, warum sie ihre Zeitung abbestellt haben. „Es gab immer öfter Berichte in der Zeitung, die mich nicht interessieren,“ beklagten sie. Gefolgt von: „...konnte oft nicht erkennen, was wirklich wichtig ... ist.“ Und „Oft stand in den Berichten nur das, was ich schon vom Radio oder Fernsehen wusste.“ Bemängelt wurde zuviel Irrelevantes, Oberflächlichkeit, zu wenig Eigenleistung und Recherche. Regionalzeitungen verlieren kontinuierlich an Auflage und machen das Internet dafür verantwortlich, dass Anzeigen und Leser abwandern. Michael Haller dagegen argumentiert, dass der Schwund schon lange vor dem Internet einsetzte und Zeitungen sich selbst in Gefahr brächten, weil sie die Bedürfnisse ihrer Leser vernachlässigten. Ausgehend von zehn Jahre Arbeit als Direktor des Instituts für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung (IPJ) in Leipzig erklärt Haller, welche Fehler sie machen und was sie ändern müssen, um zu überleben.
Die Mehrheit der Leser, sagt er unter Verweis auf seine Forschung, wolle Relevanz und Orientierung am Morgen. Es sei ein falsches Wunschdenken von Journalisten, dass Zeitungsleser im „Internetzeitalter“ in der Tageszeitung lieber schöne Erzählgeschichten finden möchten als aktuelle und „hart“ recherchierte nachrichtliche Berichte. Datenanalysen zeigten etwas ganz anderes, nämlich, dass es den Leuten (egal, ob 30 Jahre oder 60 Jahre alt), auf den Inhalt ankomme: Viele Ereignisse wollten sie nachrichtlich-berichtend vermittelt haben nach klassischen journalistischen Kriterien wie Aktualität und Relevanz. Es geht in diesem Gespräch also darum, wie die regionale Tageszeitung Geltung zurückgewinnen kann.

Moderatoren
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Thomas Schuler

freier Autor
Thomas Schuler, geboren 1965, Absolvent der Columbia Journalism School in New York, lebt und arbeitet als freier Journalist in München. Er schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung , Neuen Zürcher Zeitung und Berliner Zeitung. Er ist Autor der Familienbiografien „Die Mohns“ (2004) sowie „Strauß“ (2006) und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Medienunternehmen... Read More →

Referenten
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Michael Haller

Gesamtleiter Forschung, Hamburg Media School & Europ. Institut für praktische Journalismusforschung (EIJK)
Michael Haller ist Gesamtleiter Forschung an der HMS. Bis zu seiner Emeritierung im Herbst 2010 war er Professor für Allgemeine und Spezielle Journalistik an der Universität Leipzig. Bis heute ist er auch stellv. Direktor des  EIJK in Leipzig und Dozent für Journalisten- weiterbildung. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Mediennutzungswandel, Qualitätssicherung im Journalismus... Read More →


Saturday July 5, 2014 11:45 - 12:45
S2 Recherchepraxis

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